Warum das Thema in der industriellen Anlagenwelt so wichtig ist
Verfahrenstechnische Anlagen sind anspruchsvoll. Ob Bioreaktor, Ansatzbehälter, CIP/SIP-Anlage oder Medienversorgung: Überall wird mit Druck, Temperatur, Gefahrstoffen und oft auch mit biologischen Stoffen gearbeitet. Teilweise sogar mit explosionsfähigen Stoffen.
Solange der Prozess wie geplant läuft, ist das beherrschbar. Kritisch wird es bei Abweichungen vom Normalbetrieb. Dann können nicht nur die Anlage und die Umwelt gefährdet sein, sondern auch Menschen.
Gefährdungsbeurteilung und Störungsbetrachtung
Die Gefährdungsbeurteilung ist gesetzlich vorgeschrieben, unter anderem durch das Arbeitsschutzgesetz, die Betriebssicherheitsverordnung und die Gefahrstoffverordnung. Sie klärt, welchen Gefahren Beschäftigte bei Betrieb, Wartung und Reinigung einer Anlage ausgesetzt sind und wie sie davor geschützt werden.
Die Störungsbetrachtung richtet den Blick auf den Prozess selbst: Welche Fehler können auftreten, was sind ihre Ursachen und welche Folgen hätten sie?
In der Praxis greifen beide ineinander und werden oftmals gemeinsam betrachtet.
So läuft eine Störungsbetrachtung ab
Ein interdisziplinäres Team aus Verfahrenstechnik, EMSR- und Automatisierungstechnik, Betrieb, Arbeitssicherheit und Qualitätssicherung geht dabei das R&I-Fließschema Abschnitt für Abschnitt durch. Dabei werden die einzelnen Bereiche der Anlage anhand von Fragestellungen analysiert um durch Leitworte wie: “zu hoch”, “kein”, “zu viel”, etc. Abweichungen vom Normalbetrieb zu betrachten.
Für jede Abweichung werden folgende Fragen gestellt:
- Was kann die Ursache sein?
- Welche Folgen hätte das? (Umwelt, Mensch, Anlage, Produkt)
- Welche Schutzmaßnahmen sind bereits vorhanden?
- Reichen diese aus, oder braucht es zusätzliche Maßnahmen?
Die bekannteste Methode ist die HAZOP, im deutschsprachigen Raum auch als PAAG-Verfahren bekannt.
HAZOP (Hazard and Operability Study),
PAAG (Prognose , Auffinden der Ursachen , Abschätzen der Auswirkungen, Gegenmaßnahmen)
Die Besonderheit in der Pharmaindustrie
In der Pharmaindustrie reicht der Blick auf die klassische Anlagensicherheit nicht aus. Eine Störung kann ganz ohne Gefahr für Personen eine komplette Charge unbrauchbar machen, etwa durch Kontamination oder eine unbemerkte Temperaturabweichung.
Deshalb werden qualitätsrelevante Risiken nach dem risikobasierten Ansatz der GMP-Regelwerke mitbetrachtet.
Wo die Prozessleit- und Automatisierungstechnik ins Spiel kommt
Viele Maßnahmen, die in einer Störungsbetrachtung festgelegt werden, landen am Ende in der Prozessleittechnik: Verriegelungen, Alarme und automatische Abschaltungen. Übernehmen diese eine Sicherheitsaufgabe, spricht man von PLT-Schutzeinrichtungen.
Sicherheitsrelevante Funktionen werden nach DIN EN 61511 und VDI/VDE 2180 ausgelegt und mit einem Sicherheits-Integritätslevel (SIL) bewertet. Genauso wichtig sind eine saubere Dokumentation, regelmäßige wiederkehrende Prüfungen und eine erneute Bewertung bei jeder Änderung an der Anlage. Denn eine Störungsbetrachtung ist kein einmaliges Dokument, sondern begleitet die Anlage über ihren gesamten Lebenszyklus.
Der Mehrwert für Betreiber
Eine gut durchgeführte Störungsbetrachtung zahlt sich aus. Sie schafft Rechtssicherheit, schützt Mitarbeitende und Produkt, vermeidet teure Stillstände und Chargenverluste und bildet eine belastbare Grundlage für Audits, Inspektionen und behördliche Abnahmen.
So unterstützt Sie die PW Solutions GmbH
Als Spezialisten für Prozessleit- und Automatisierungstechnik unterstützen wir Sie als Fachplaner bei der Erstellung von Störungsbetrachtungen, spezifizieren PLT-Schutzeinrichtungen, setzen die daraus resultierenden Maßnahmen zuverlässig in Ihrem Betrieb um und begleiten die Inbetriebnahme. Dabei achten wir auf eine nachvollziehbare, auditfähige Dokumentation.